Morbus Bechterew aus der Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin und die Behandlungsmöglichkeiten durch Akupunktur

 

Wir wissen, dass Morbus Bechterew ein chronisches Leiden des Knochensystems mit Befall der Wirbelsäule, der Extremitätengelenke und Sehnenansätze ist.

 

Häufig befallen sind

Ileosakralgelenke,

Schambeinfugen,

Intervertebralgelenke und der Bandapparat.

 

An den Gelenkenden finden Sklerosierung oder Bindegewebsvermehrung (Kapselfibrose) und Versteifung (Ankylose) statt.

 

Die Schrumpfung und Verknöcherung der Bandapparate der Wirbelsäule führt zur vollkommenen Unbeweglichkeit.

Von der sogenannten „Bambusstab Wirbelsäule“ haben Sie sicherlich öfter gehört.

 

Zunächst möchte ich meinen Vortrag mit einer kleinen Einführung in die Grundgedanken der chinesischen Medizin beginnen.

 

Die Betonung liegt auf „kleiner Einführung“, weil eine ausführliche Einleitung in die Materie der chinesischen Medizin den zeitlichen Rahmen dieses Vortrages sprengen würde.

 

In der chinesischen Medizin teilen wir die menschlichen Organe sowie auch andere Dinge und Phänomene um uns herum in zwei Kategorien ein: Yin und Yang.

 

Abb. Yin und Yang

 

Bezogen auf die Organe heißt das: tiefgelegene, feste Organe sind Yin und oberflächliche, hohle Organe sind Yang.

 

Abb.

 

Außerdem wurden die Organe und Hohlorgane paarweise fünf  funktionellen Einheiten, die wir 5 Elemente in der chinesischen Medizin nennen, zugeordnet.

 

Abb. 5 Elemente und Organ Paare

 

Jedes dieser Organe ist mit den äußeren Teilen des Körpers über Bahnen, den sogenannten Meridianen, verbunden.

 

Abb. Magen Meridiane

         Herz

 

Auf jedem dieser Meridiane befinden sich Punkte, die wir bei der Akupunktur benutzen. Die häufig benutzten Punkte sind die sogenannten „Antiken Punkte“.

Die Punkte sind funktionell unterschiedliche Punkte.

Zur Anregung und Stärkung von Organen und Hohlorganen sticht man die Tonisationspunkte.

Zum Herabsetzen der Organenergien benutzt man die Sedationspunkte.

Über diese Funktionspunkte können wir nun durch Akupunktur Einfluß auf Organe zwecks Heilung einer Erkrankung nehmen.

 

Für meinen heutigen Vortrag ist besonders ein Meridian besonders interessant, nämlich der Blasenmeridian.

 

Abb. Blasenmeridian

 

Der Blasenmeridian läuft entlang der Wirbelsäule über die Gesäßgegend bis zur kleinen Zehe.

 

Auf diesem Blasenmeridian finden wir die sogenannten Shu- oder Organ-Entsprechungspunkte, die direkt mit dem entsprechenden Organ oder Hohlorgan in Verbindung stehen.

 

Abb. Blasenmeridian mit Shu Punkten

 

Wir können sehen, dass der Arzt nicht nur über die Meridiane, sondern auch über die Shu Punkte Einfluß auf die entsprechenden Organe nehmen kann, zum Zweck der Therapie.

 

Aber auch das Gegenteil kann auftreten, dass nämlich das erkrankte Organ Einfluß auf das Wirbelsäulengebiet ausüben kann, und zwar an den Stellen der Shu Punkte.

 

Aus Sicht der TCM ist Morbus Bechterew eine Erkrankung der Wirbelsäule, Gelenke, Bandapparate, des paravertebralen Bindegewebes, die durch Organerkrankungen oder im Wortlaut der TCM mit Organenergieschwäche einhergeht.

 

Für diese Aussage spricht die klinische Beobachtung, das Morbus Bechterew häufig mit anderen organischen Erkrankungen zusammen auftritt, wie beispielsweise:

 

           Psoriasis-

           Enteritis terminalis-

           Colitis ulcerosa-

           Colitis-

           Iritis (Regenbogenhautentzündung des Auges)

           Meaortiti oder Aortitis (Blutgefäß)

           Herzreizleitungsstörungen (Nerven)

 

Die TCM sagt weiterhin, die inneren Organe sind für die Funktion, Ernährung und für die Erhaltung von bestimmten Gewebearten wie Sehnen, Knochen, Muskeln usw. verantwortlich.

 

Abb. Organe und Gewebe Systeme

 

Die Behandlung der Wirbelsäule und das sie umgebende Gewebe wie Sehnen, Sehnenansätze, Kapseln können über die entsprechenden Organe erfolgen.

 

Dies geschieht über die Tonisations- oder Sedationspunkte, die auf den jeweiligen Meridianen liegen.

Die so behandelten Organe nehmen dann einen günstigen Einfluß über die Shu Punkte auf die Wirbelsäule.

 

Abb.

Andererseits kann die Wirbelsäule und ihr paravertebrales Gewebe direkt über die Shu Punkte behandelt werden.

 

Für die Behandlung der Wirbelsäule und des angrenzenden Gewebes stehen aber auch noch andere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

 

a) Ohrakupunktur:

Die Topographie der Wirbelsäule in der Ohrmuschel ist sehr genau definiert, so dass der Arzt eine gezielte Behandlung vornehmen kann.

Abb.

 

b) Kopf-oder Schädelakupunktur

1971 hat Dr. Jiao Shunfa entdeckt, dass mit Nadelstimulation an der äußeren Kopfhaut der Durchblutungszustand eines bestimmten Körperteils erreicht werden kann.

Nicht nur die Durchblutung, sondern auch die Beweglichkeit bestimmter Körperteile kann dadurch erreicht werden.

Abb.

 

 

Eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit ist die Verabreichung von chinesischen Heilpflanzen.

Heilpflanzen wurden seit Jahrtausenden erfolgreich zur Behandlung von inneren und äußeren Erkrankungen eingesetzt.