Grundlagen der Akupunktur in der traditionellen chinesischen Medizin.
Die Akupunktur findet auch im Westen zunehmende Anerkennung. Aus der traditionellen chinesischen Behandlungsmethode haben sich viele Variationen, wie z.B. die
Die Beobachtung der Natur ist der Schlüssel für die chinesische Medizin.
Für Menschen der westlichen Hemisphäre bleibt die chinesische Medizin voller Rätsel, so lange sie nicht den
Yin Yang – Gegensätze, die einander ergänzen
Der Grundgedanke des Taoismus ist, sich mit den Regeln der Natur vertraut zu machen und die Vorgänge
Man erkennt gegensätzliche, aber einander ergänzende Kräfte in der Natur, die in fortwährender Bewegung
Der Himmel ist Yang
- die Erde ist Yin. Der Tag ist Yang, - die Nacht ist Yin. Der Mann ist Yang, - die Frau ist Yin. Die Energie ist Yang
- das Blut ist Yin.
Jedes Wesen des Universums ordnet man entsprechend seiner charakteristischen Merkmale dem Yin oder
Bewegung und Ruhe,
Licht und Dunkelheit, Anregung und Hemmung, Äußeres und Inneres,
Geistiges und Stoffliches, Wärme und Kälte
Ergänzen sich dank ihrer gegensätzlichen Beziehungen. Auch der menschliche Organismus arbeitet nach dem Yin Yang – Prinzip: Alle Organe können -
Oder abstrakt formuliert: Die Materie ruft die Aktivität hervor, die ihrerseits die Materie erzeugt und so
Für Chinesen ist die Materie oder Ruhe YIN und die Energie und Aktivität ist YANG. Doch das eine schließt das andere nicht aus. Die beiden gegensätzlichen Energien stimulieren und unterstützen Im alten chinesischen Buch „Suwen“, dem ersten Band vom „Inneren Klassiker des Gelben Kaiser“, heißt es: „Das YIN befindet sich im
Inneren des Körpers, es enthält das YANG. Das Yang befindet sich außen und hilft dem Yin.“
Für die Gesundheit aus chinesischer Sicht bedeutet dies: Yin Energie (Materie, Blut, Körpersäfte) wird im Inneren des Körpers bewahrt, damit sie für die Bedürfnisse der Yang-Energie, nämlich die Abwehrleistung gegenüber Umwelteinflüssen, sorgen kann.
Kosmische Einflüsse verändern Yin Yang
Taoisten stellten zugleich fest, dass sich Yin und Yang ständig wandeln. Der
Wechsel der Jahreszeiten ist ein gutes Beispiel für die Wandlungen im Kosmos: Einem lauen Frühling folgt der warme Sommer. Er wird abgelöst vom frischen Herbst, dann vom kalten Winter. Und so beschreibt das uralte chinesische
Medizinbuch Suwen die Wandlungen der kosmischen Naturphänomene: „45 Tage nach der Wintersonnenwende beginnt die Yang-Energie zu wachsen und die Yin-Energie abzunehmen. 45 Tage nach der Sommersonnenwende beginnt die Yin-Energie zu
wachsen und die Yang-Energie abzunehmen.“ Das heißt: wenn die Yang-Energie wächst und stark wird, zieht sich die Yin-Energie zurück und wird schwächer. Und umgekehrt. Jahreszeiten folgen einander in einer bestimmten Folge. Nur
dadurch entstehen die für die jeweilige Jahreszeit typischen Energiezusammensetzungen. Eine Störung in dieser Aufeinanderfolge würde unweigerlich in Katastrophen enden. Eine Regel, die ebenso für den menschlichen Organismus gilt.
Nur, wenn Niere, Leber, Herz und Lunge in einer bestimmten Reihenfolge arbeiten, läuft der Organismus reibungslos und bleibt in harmonischem Gleichgewicht. Ist jedoch ein Glied in diesem Kreis erschöpft oder produziert es zuviel
Energie, kommt es zu Disharmonien, zu Gesundheitsstörungen, zur Krankheit.
Der Kreislauf der Organe oder die Lehre der fünf Wandlungsphasen.
Die Naturverbundenheit der chinesischen Medizin zeigt sich in ihrer Vorliebe, Abläufe im Organismus mit allgemein verständlichen Naturphänomenen zu vergleichen. Die Lehre
von den fünf Wandlungsphasen, in Übersetzungen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert etwas irreführend auch die Lehre von den fünf Elementen genannt, teilt Dinge und Phänomene der Umwelt, auch die menschlichen Organe in fünf dynamische
Vorgänge ein und nennt sie, entsprechend ihrer Eigenschaften: (Abb.) Wasser – Erde – Feuer – Holz – Metall
Jedem der fünf Wandlungsphasen entspricht – aufgrund ihrer energetischen und funktionellen Eigenschaften – eins der fünf Organ/Hohlorgan-Paare: (Abb.)
Wasser-Eigenschaften haben NIERE und BLASE Holz-Eigenschaften haben LEBER und GALLE Feuer-Eigenschaften haben HERZ und DÜNNDARM Erde-Eigenschaften haben MILZ und PANKREAS und MAGEN
Metall-Eigenschaften haben LUNGE und DICKDARM
Wie alle kosmischen Abläufe, so sind auch alle Vorgänge im gesunden menschlichen Organismus ein harmonisches Zusammenspiel, an dem alle Organe beteiligt sind. Beim aktiven Antrieb, durch Yang Kräfte, entsteht folgender Kreislauf: (Abb.)
HOLZ erzeugt FEUER, FEUER erzeugt ERDE, ERDE erzeugt METALL, METALL erzeugt WASSER, und da WASSER wieder HOLZ erzeugt, schließt sich der Kreis.
Jede Wandlungsphase weist also zwei Seiten auf:
Erzeugen und erzeugt werden, nur so wird das Gleichgewicht in der Natur möglich. In der chinesischen Medizin nennt man den Erzeuger „Mutter“ und der erzeugte den „Sohn“. Dieses Verhältnis ist auch als Mutter-Sohn-Gesetz bekannt.
Im Sinne von Yin Yang gehört zur Grundlage der gesunden Vorgänge auch die Gegensteuerung, die sogenannte Bändigung. Dabei bändigt HOLZ ERDE, ERDE bändigt WASSER, WASSER bändigt FEUER, FEUER bändigt METALL,
METALL bändigt HOLZ.
Und damit beginnt der „Kreislauf“ von vorn. Auch nach dem Bändigungs- oder Destruktions-Gesetz zeigt jede Wandlungsphase 2 Aspekte: Bändigen
und gebändigt werden, zerstören und zerstört werden.
In der Natur läuft also immer beides ab: zerstören und erzeugen.
Ohne diesen Mechanismus gibt es kein Gleichgewicht und keine Entwicklung. Wenn man von den 5 Wandlungsphasen spricht, dann beinhalten sie also immer das Phänomen der Erzeugung und Destruktion.
Wird dieses Kräftespiel durch irgendwelche krankmachenden Faktoren gestört, kommt es zum Energiestau an einer Stelle und zwangsläufig zu einem Energiemangel an einer anderen.
Erschöpfte oder energiearme Wandlungsphasen werden dann – mal mehr, mal weniger – von den Phasen überlagert, die sie eigentlich bändigen sollten. Und zwar Überwältigt HOLZ das METALL, METALL überwältigt FEUER,
FEUER überwältigt WASSER, WASSER überwältigt ERDE, ERDE überwältigt HOLZ.
Die Phänomene der Überwältigung oder des Übergriffs sind eine schwache Leber haben.
Gesunde Menschen bleiben jedoch bei solchen normalen Wettereinflüssen gesund, d.h. ihre eigenen Energien sind in der Lage, einen ausgeglichenen Energiezustand zu erhalten. Das Gleichgewicht kann also durch exzessive
Energietendenzen der Außenwelt gestört werden. Die chinesische Medizin versteht hierunter Wind, Wärme, Hitze, Feuchtigkeit, Trockenheit und Kälte, die wir die 6 pathogenen kosmischen Energien nennen. Diese sogenannten kosmischen
Energien gelangen über die Meridiane in die Organe und zerstören das ursprüngliche Gleichgewicht. Die eingedrungeneEnergie wirkt bis zu einem bestimmten Zustand, den wir „Fülle – Zustand“ nennen, auf das entsprechende Organ
stärkend. Ein Zuviel an Energie verursacht jedoch Störungen.
Auch in der westlichen Hemisphäre ist bekannt, dass es jahreszeitlich bedingte Krankheiten gibt. Die Chinesen sehen darin eine Bestätigung für die Wechselwirkung zwischen klimatischen Einflüssen und bestimmten Organen. Sie formulieren diese Zusammenhänge sehr anschaulich:
Das Klima im Frühjahr, in dem das Wachstum aller Lebensformen gefördert wird, wird von starkem Wind begleitet. Eine Zeit, in der viele Menschen nervöse Unruhe überkommt. Für chinesische Ärzte ist das nicht erstaunlich, denn sie zählen die Wachstumsperiode zum Symbol HOLZ, zu dem auch das Organ Leber gehört.
Im Frühsommer und Sommer, während das Wachstum weitergeht, nehmen Wärme und Hitze Einfluß auf das Leben. FEUER ist das Symbol für den Sommer und auch für Herz und Kreislauf. In der Tat häufen sich Herz- und Kreislaufstörungen, bis hin zum Kreislaufkollaps, in dieser Jahreszeit.
Der Übergang vom Sommer zum Herbst, auch Spätsommer genannt, bringt viel Feuchtigkeit. Die Erde symbolisiert diesen Abschnitt des Jahres, ebenso die Organe Milz und Magen. In einer feuchten Umgebung treten oft Magenbeschwerden auf.
Trockenheit ist das Naturphänomen vom Herbst. Das kühle, trockene METALL steht symbolisch für diese Jahreszeit und für die Lunge. Trockenheit verursacht oft Beschwerden in den Atemorganen.
Winter ist die Zeit der Kälte. Sie ist qualifiziert durch die Wandlungsphase WASSER, genau wie Niere und Blase. Beide sind in den kalten Monaten extrem gefährdet.
Für Chinamediziner steht fest, dass die klimatischen
Einflüsse auf den Meridianen, die dem Organ zugeordnet sind, in das Körperinnere eindringen und die von ihnen bevorzugten Organe aufsuchen. Auf dieser Erkenntnis entwickelten Gelehrte in China vor einigen Jahrtausenden das Meridian
– System. Sie ertasteten schmerzhafte Punkte auf der Körperoberfläche, wenn ein inneres Organ erkrankte. Nach und nach erspürten sie neue Punkte, verbanden sie durch Linien und gaben ihnen den Namen des Organs, mit dem sie so
offensichtlich Verbindungen hatten.
Ernährung, Heilmittel und Gesundheit.
Wir
wissen alle, dass langjähriger Genuß von Alkohol zu Leberschäden führen kann. Wir wissen auch, dass man nicht zuviel Kochsalz bei Hypertonien oder Bluthochdruck verwenden sollte. Zucker ist bei Diabetes nicht gut, das ist uns allen
bekannt. Diese Zusammenhänge erklärt die chinesische Medizin so:
Alkohol ist das Feuer, das Feuer hemmt das Holz Leber, und kann sogar zerstören, wenn der
Einfluss zu stark wird. Das Kochsalz ist die Wandlungsphase Wasser, somit das Feuer, das das Herz hemmen und zerstören kann. Zuviel Süßigkeit (Erde) verursacht einen Füllezustand im Milz-Pankreas (Erde).
Diese zu starke Milz-Pankreas (Erde) hemmt das Herz (Feuer), aber auch die Niere. Zugeführte Nahrungsenergie wirkt stärkend zunächst, aber ein Übermaß schädigt die Organe.
Aber andererseits, was bedeutet die Vorliebe für eine Geschmacksrichtung, z.B. süßer Geschmack? In diesem Fall deutet ein Mehrbedarf an Süßigkeiten auf einen Mangel des Elements der
„Erde“, wie bei schwachem Magen oder Milz-Pankreas, hin. Dieses Bedürfnis nach Süßem kann bei Kummer oder bei grüblerischem Wesen, also bei der Milz-Pankreas-Schwäche, auftreten.
Nun einiges über die Ernährung oder Diät und wie wir sie in die 5 Wandlungsphasen einordnen. Bei der Einordnung spielen die Herkunft der Nahrung (insbesondere der tierischen Nahrung) und der Geschmack eine Rolle.
Z.B. Sehnen und Muskeln gehören zu „Holz“ (Leber), Blut und Blutgefäße gehören zu „Feuer“ (Herz),
Fleisch gehört zu „Erde“ (Milz), Haut (Körperhaar) gehört zu „Metall“ (Lunge),
Knochen und Knochenmark gehören zu „Wasser“ (Niere).
Nach dem Geschmack lässt sich die Nahrung auch den 5 Wandlungsphasen zuordnen. Der Geschmack scharf gehört zu „Metall“ und zur Lunge, der Geschmack bitter gehört zum „Feuer“ und zum Herzen,
der Geschmack süß gehört zur „Erde“ und zu Milz-Pankreas, der Geschmack sauer gehört zu „Holz“ und zur Leber.
Wie ist es denn mit natürlichen Heilmitteln und Heilpflanzen? Die chinesische Medizin betrachtet alle Wesen im Kosmos als eine Wandlungsphase oder Zusammensetzung mehrerer Wandlungsphasen.
So gesehen sind Nahrungsmittel und Heilpflanzen eine Mischung zwischen kosmischen und Erdenergien. Daher gehören die Heilpflanzen auch in dieses Konzept. So sind die Heilpflanzen auch nach den 5 Wandlungsphasen zu ordnen, je
nachdem, zu welcher Jahreszeit sie ihr Maximum an kosmischer und Erdenergie erhalten haben. Auch ein bestimmter Geschmack entsteht als Ausdruck des inneren Energiegehalts und spielt bei der Behandlung eine Rolle. Aus
energetischen Gründen behandelt also der Arzt der chinesischen Medizin die gleiche Krankheit im Sommer und im Winter anders. Auch im Laufe der Behandlungszeit ändert er seine Rezepturen nach dem jeweiligen Energiezustand seines
Patienten.
Der Mensch und seine Psyche.
Oft sind wir selbst die Ursache unseres Krankseins, nicht nur durch unsere Erbanlagen, aber auch durch unsere Psyche. In der chinesischen Medizin wird die Psyche als das gesehen, was den Menschen ausmacht. Die psychischen Einflüsse, die über die zwischenmenschlichen sozialgesellschaftlichen Beziehungen entstehen, können Ursache von vielen Erkrankungen sein. Nicht nur Psyche auch organische Erkrankungen können Folgen sein.
Lust als normale Äußerung des Organs Herz fördert Entfaltung der Phantasie und Abwehrenergie. Im Übermaß führt sie zur Erschöpfung der Organ – Herzenergie und zur Zerstörung der allgemeinen Energie und zur Überlagerung der Herzenergie (Feuer) durch die Niere (Wasser).
Symptome: Bewusstseinstrübung, zusammenhangloses, wirres Reden, unmotivierte Bewegungen und verwirrtes Gesamtverhalten.
Schreck ist die durch unerwartete Gefahr ausgelöste Spannung. Die Schreckhaftigkeit rührt primär aus einem Energiemangel des Organs Herz (Feuer) und umgekehrt
können wiederholte Schreckerlebnisse das Organ Herz schwächen.
Symptome: unregelmäßiger, hastiger Atem, Unruhe, zusammenhanglose widersprüchliche Handlungen, wirres Reden und Verhalten.
Zorn gehört zur Umwandlungsphase „Holz“ und damit zur Leber. Energiefülle der Leber begünstigen Zornausbrüche, die wiederum auf das
Organ Leber zurückwirken mit Symptomen wie roter Kopf, im Extremfall Ohnmacht und Schlaganfall.
Sorgen sind von dem Funktionszustand der Lunge stark beeinflusst.
Hängt man fortgesetzt sorgenvollen Gedanken nach, so wird das Organ Lunge beeinträchtigt und damit auch die Energieverteilungsfunktion der Lunge auf andere Organe. Symptome: Allgemeiner Tonusverlust, flacher Atem, Husten,
Kurzatmigkeit, viel Schleim, Kraftlosigkeit in den Extremitäten, Schwellung des Bauches, verminderter Appetit, Durchfälle.
Traurigkeit wirkt wie Sorgen auf das Organ Lunge zurück. Auf Dauer führt dieser Zustand zu blassem, eingefallenem Gesicht, zu Teilnahmslosigkeit und verminderter Präsenz.
Das Nachdenken wird dem Organ Milz zugeordnet. Die Milz reguliert einen harmonischen Funktionsablauf insgesamt. Übersteigertes nachdenken oder Grübeln führt zu einer Schädigung
des Milz-Pankreas, was sich in Symptomen wie Müdigkeit, Appetitverlust, Vergesslichkeit, Herzklopfen, starkes Ruhebedürfnis, Schweiß im Schlaf und Abmagerung äußern.
Furcht, das Spannungsgefühl gegenüber einer vermuteten oder erwarteten Gefahr, wird primär durch Energiemangel des Organs Niere erklärt. Umgekehrt führt andauernde Furcht zu Störungen wie Verzagtheit, Entschlusslosigkeit, Unruhe, Verfolgungswahn und zu dem Drang, sich zu isolieren.
Wenn Emotionen die Organe verändern können oder umgekehrt ein veränderter Zustand der Organe bestimmte Emotionen hervorrufen, können die Sprache, vielmehr die Stimme, die ja sehr abhängig ist von den jeweiligen Emotionen oder Stimmungen, Aufschluss über den Zustand eines Organs geben.
Auch hier finden wir wieder die Entsprechungen der 5 Wandlungsphasen oder Elemente. Ist die Stimme weinerlich klagend, so liegt eine Lungenschwäche vor,
eine stöhnende Stimme bei nierenschwäche, eine singende Stimme bei Milz – Pankreas – Schwäche, eine lachende Stimme bei übermäßiger Herzenergie, eine ausrufende Stimme bei Leberstörung.
Die Vorliebe für bestimmte Farben verraten ebenfalls etwas über die Organzustände: Grün/blaugrün - Leber
Scharlachrot - Herz Gelb - Milz/Pankreas
Weiß - Lunge
Schwarz - Niere
Auch die Gerüche, die sich in die 5 Wandlungsphasen eingliedern lassen, verraten etwas über die zugehörigen Organe.
Insgesamt kann körperliche Anstrengung zu einer Schädigung der konstitutionellen
Energiereserve führen mit Symptomen wie extreme Erschöpfung und Kraftlosigkeit; im Extremfall: Atemnot, Herzjagen, innere Hitze, spontanes Schwitzen, Unruhe. Anatomie der Meridiane und Nebenmeridiane und Antike Punkte .
Im Folgenden soll uns die Frage beschäftigen, wie verlaufen die Meridiane, wie sind sie mit den inneren Organen verbunden, wie und wo dringen die aggressiven, krank
machenden kosmischen Energien in den menschlichen Körper ein, auf welchen Bahnen bewegen sie sich ins Innere des Körpers zu den Organen und Hohlorganen? Wie schreitet eine Krankheit im menschlichen Körper fort? Noch wichtiger
ist die Frage, wie kann man die eingedrungene pathogene Energie wieder aus dem Körper hinaustreiben? Dies sind Fragen, auf die die chinesische Medizin Antworten gefunden hat. Wie Sie wissen, gibt es in der chinesischen Medizin
Meridiane, das sind Energiebahnen, die den menschlichen Körper oberflächlich und in der Tiefe durchlaufen.
Meridiane transportieren Lebensenergie.
Insgesamt zwölf Hauptmeridiane durchlaufen die Unterhaut (Subcutis) der gesamten Körperoberfläche und sind durch Zwischengefäße mit den inneren Organen verbunden. Jeweils
drei YIN YANG Meridian-Paare beginnen oder enden an den Händen und drei YIN YANG Meridian Paare haben die Füße als Ursprung oder Ziel. (Abb.) Jeder Meridian ist einem inneren Organ oder Hohlorgan zugeordnet. Er
transportiert die Energie von seinem inneren Organ in die übrigen Körperteile und liefert somit seinen Beitrag, um die Vitalfunktionen des Gesamtorganismus zu erhalten.
Die Energie jedes Organs hat ihre festgelegte Laufrichtung: (Abb.) So beginnt die Energie der YANG Meridiane der Hand, genau genommen die Energie des Dickdarms, des Dreifachen Erwärmers und des Dünndarms ihren Lauf außen an den
Fingerspitzen und endet an Kopf und Gesicht. Dagegen transportieren die YIN Meridiane der Hand, die Energie von der Lunge, des Kreislaufs und des Herzens. Sie beginnen an der inneren Seite der Fingerkuppen und enden in der
Brustgegend. Die YANG Meridiane des Fußes – sie transportieren die Energie des Magens, der Gallenblase und der Blase – entspringen an Kopf und Gesicht und enden an der Rückseite der Zehen. Auf der Innenseite des Fußes beginnen
die YIN Meridiane des Fußes. Sie transportieren die Energie von Leber, Niere und Milz nach oben zur Brust.
Auf diesen Meridianen befinden sich die funktionellen Punkte, die sogenannten antiken Punkte, die die Akupunktur zur Behandlung heranzieht. a) Die Yang Meridiane, die mit den Hohlorganen wie Magen, Blase, Gallenblase, Dünn- und Dickdarm in Verbindung stehen, haben 6 Antike Punkte, die Yin Meridiane, die für die Organe zuständig sind, wie Lunge, Milz-Pankreas, Leber, Niere haben je 5 Antike Punkte.
Also der Yang Meridian mit den Punkten
Tsing Ying Yu Yuan King Ho Yang M. Tsing Ying Yu Yuan King Ho Yin M.
Diese chinesischen Bezeichnungen entsprechen den 5 Wandlungsphasen:
Metall Wasser Holz Feuer Erde Yang M.
Holz Feuer Erde Metall Wasser Yin M.
Wenn man die Anordnung der Wandlungsphase
an den Yang- und Yin Meridianen betrachtet, so ist zu erkennen, dass der Tsing Punkt beim Yang Meridian immer dem Metall entspricht, beim Yin Meridian entspricht der Tsing Punkt dem Holz. Die pathogene kosmische Energie dringt
über den Yu Punkt auf dem Yang Meridian und über den Yu – Yuan Punkt auf dem Yin Meridian in die Hauptmeridiane ein.
Die Organe oder die Hohlorgane werden nun über
die Punkte, der Wandlungsphase, und zwar nach dem Gesetz „Mutter-Sohn“ behandelt. Zur Anregung wird der der Mutter entsprechende Punkt gestochen, und zur Entlastung oder Sedation der Organe wird die Wandlungsphase „Sohn“ gestochen.
Z.B. Bei dem Organ Herz (Feuer) muss man zur Anregung den Holz Punkt stechen. Zur Sedation den Erde Punkt.
Außer diesen antiken Punkten gibt es die sogenannten Xi Punkte und Lo Punkte, um die 2 wichtigsten zu nennen.
Die Xi Punkte liegen tief in den Muskelzwischenräumen, in denen Energie und Blut konzentriert sind. Diese Punkte dienen der Beseitigung von Energieblockaden in den Meridianen und ihren entsprechenden Organen. Vom Lo Punkt eines Meridians geht das sogenannte Quere Lo – Gefäß zu dem Yuan Punkt des gekoppelten Meridians, um die beiden Meridiane zu verbinden. (Abb.)
Die Energie verläuft immer vom Lo Punkt eines Yang Meridians zum Yuan Punkt des anderen Meridians. Dies gilt nur zwischen den beiden gekoppelten Yang und Yin Meridianen. Daher ist auch die Energielenkung zwischen beiden gekoppelten Meridianen möglich.
Diese Möglichkeit wird oft in der Therapie benutzt, um den Füllezustand eines Organs mit dem Leerezustand eines anderen Organs auszugleichen.
An diesem Lo Punkt entspringt das longitudinale Lo Gefäß, das sich zu den entsprechenden Organen oder Hohlorganen hinzieht. Daher werden diese Punkte benutzt, um sie zu entlasten, aber nur bei Fülle Zuständen der Organe oder Hohlorgane.
Neben dieser Verbindung gibt es noch das sogenannte innere Trajekt, dass das gekoppelte Yin
und Yang Organ mit dem Hauptmeridian verbindet. (Abb.) a) z.B. Yang Hauptmeridian – inneres Trajekt – Yang Hohlorgan – dazugehöriges Organ – zurück zum Hohlorgan – zurück zum Hauptmeridian.
b) Yin Hauptmeridian – inneres Trajekt – zugehöriges Organ – Hohlorgan – zurück zum Organ – zum inneren Trajekt – Yin Hauptmeridian.
Es gibt außerdem eine besondere Verbindung zwischen Yang und Yin Meridian über die sogenannten Sondermeridiane, die sich im unteren Reunionspunkt treffen, danach die eigenen Organe und Hohlorgane durchlaufen und im oberen Reunionspunkt enden.
Zwischen den gekoppelten Tsing Punkten (End- oder Anfangspunkt, Zehen oder Finger) besteht natürlich auch eine Verbindung, das ist die Verbindungsstelle des großen Energiekreislaufs. (Abb.)
In diesem Tsing Punkt mündet der sogenannte Muskel – Sehnen- Meridian,
der von den Kapillaren der Subcutis entspringt. Pathogene kosmische Energie kann also auch durch diese Nebenmeridiane eindringen. Dieser Tsing Punkt wird öfter zur Lenkung der eingedrungenen Energien zu diesem Punkt hin gestochen.
Evolutionsweg der Erkrankung.
Die innere Zirkulation verläuft meist folgendermaßen, was insbesondere für die pathogenen Einflüsse von Bedeutung ist.
Und zwar: a) Von außen nach innen
Die Yang Meridiane fließen durch ihr inneres Trajekt über das Yang Organ, also das Hohlorgan, zum entsprechenden Organ (Yin) und enden dort. Die über die Yin Meridiane eingedrungene
kosmopathogene Energie dringt über die Yin Organe in das Yang Hohlorgan ein. Dies ist deshalb wichtig, weil gewisse Erkrankungen, die als kosmopathogene Energie in die Hauptmeridiane von außen eindringen, bei entsprechender
Schwäche der Körperenergie in der Tiefe so fortschreiten können. Diese eingedrungene pathogene Energie endet also schließlich im Speicherorgan, wenn sie über den Yang-Meridian eingedrungen ist oder im Hohlorgan, wenn sie über den
Yin Meridian eingedrungen ist.
Beispiel: Eine Erkrankung durch kosmopathogene Energie, z.B. Feuchtigkeit, die über die Wange in den Magen Meridian eingedrungen
ist, endet in der Milz. Eine Schädigung der Milz kann z.B. Durchfall auslösen.
b) Von innen nach außen
Soll nun die pathogene Energie, die in die Milz eingedrungen ist, wieder neutralisiert, bzw. hinausgetrieben werden, so muss sie wieder den Evolutionsweg der Energie nehmen.
Evolution der Krankheit im Inneren des Körpers
Wie breiten sich aber die Krankheiten im Inneren des Körpers aus? Wenn sich die pathogene Energie im Speicherorgan befindet, dann kann sie sich bei schwacher Verteidigungsenergie weiter ausbreiten. Diese Entwicklung läuft nicht
über die Produktionskette, sondern, da es sich um eine Erkrankung handelt, erfolgt sie auf dem Weg der Destruktionsfolge: Holz, Erde, Wasser, Feuer, Metall. Bleiben wir bei unserem Beispiel Milz. Wenn sie krankhaft stark ist oder
sich in pathogener Fülle befindet, wie es in der chinesischen Medizin heißt, dann gibt diese nicht etwa zu ihrem Sohn – Element Metall (Lunge, Dickdarm entsprechend) die Energie weiter – wie es nach dem Produktionsgesetz sein
müsste, sondern es erfolgt ein Übergriff über die Destruktionskette, was zu einer pathologischen Hemmung des Wassers (Niere/Blase) führt.
Erde Wasser Feuer Metall
Milz Niere Herz Lunge
Magen Blase Dünndarm Dickdarm
Dieser Übergriff oder Übertritt kann 5 mal stattfinden. Wenn die pathogene Energie zum Ausgangsorgan – in unserem Beispiel Milz/Pankreas – Erde zurückkommt –
tritt der Tod ein. Wenn die pathogene Energie, die im Speicherorgan endet, durch das Hohlorgan hindurchgeht, dann ruft sie dort meistens Hohlorgan-Symptome hervor. Es gibt meist eine kommunizierende Symptomatik, z.B. Inappetenz,
Brechdurchfall, Unwohlsein, Meteorismus, da auch eine Organ-Störung bei der Erkrankung des Hohlorgans vorhanden ist. Dieses Beispiel führt uns nicht nur zum besseren Verständnis, wie eine Krankheit in uns fortschreitet, sondern
auch zum besseren Verständnis des Energieflusses über das innere Trajekt, das das Hohlorgan (Yang) – Organ (Yin) und Meridiansystem verbindet.
Evolution über die sogenannten Sondermeridiane.
Die pathogene Energie, die in das innere eingedrungen ist (Hohl- und Speicherorgane), kann also auch über die
Sondermeridiane evolutionieren. Die Sondermeridiane sind eine Gruppe von Nebengefäßen, die noch tiefer als die Meridiane liegen, also noch zentraler im Körperinneren (Yin).
Aus je 2 homologen Meridianen – je 1 Yin und 1 Yang Meridian – entsteht ein Sondermeridianpaar. Diese beginnen in einem unteren Reunionspunkt. Von dort aus fließen diese Sondermeridiane nach innen, durchqueren ein Organ oder
Hohlorgan und erreichen über den hals einen sogenannten Reunionspunkt.
Sie dringen hier über den homologen Yang Hauptmeridian ein und begleiten diesen bis zu seinem Verlaufsende am Kopf.
Dadurch haben alle Yin-Meridiane eine Verbindung mit dem Yang-Gebiet.
Durch diese Verlaufsform entstehen einerseits die sogenannten Kopf-Symptome: Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen usw.
Andererseits ergibt sich eine abdominale Symptomatik: Bauchschmerzen, Nausea, Durchfall usw. Diese Symptomatik tritt zyklisch auf, d.h. täglich zu einer bestimmten Zeit, z.B. von 5 bis 7 Uhr, dann wieder von 19 bis 20 Uhr. (Abb.)
Dies geschieht dadurch, dass die Verteiligungsenergie wie bei Rückzug ins Innere abends an den erkrankten Zonen in den tiefen Schichten vorbeifließt und dadurch eine innere Symptomatologie auslöst.
Akupunktur bei Gesichtsneuralgien.
A. Diffuse einseitige Gesichtsneuralgie
Gesichtsneuralgien sind häufig. Ich möchte daher einmal aufzeigen, wie eine Akupunktur durchgeführt wird und warum
speziell an bestimmten Punkten genadelt wird. Wie Sie inzwischen wissen, vereinigen sich alle Yang Meridiane von hand und Fuß am Kopf (s. obere Reunionspunkte). Wenn wir die große oberflächliche Zirkulation des Dickdarms und
Magens (Yang Ming) verfolgen, so wissen wir, dass der Dickdarm Meridian von der Zeigefingerspitze links, über die Schulter und den linken Unterkiefer zur rechten Gesichtshälfte fließt. Diese Zirkulation kann ebenso von der
rechten Zeigefingersitze ausgehen und in der linken Gesichtshälfte ankommen. (Abb.)
Bleiben wir beim ersten Beispiel: Von der rechten Nasen –
Gesichtsgrube, (Di 20) wo der Dickdarmmeridian endet, zweigt ein Gefäß ab, das sich mit dem Magenmeridian (Ma 1) verbindet. Die pathogene kosmische Energie greift das Wangengebiet (die Yang Ming Zone) des Gesichtes nun
direkt an, aber nur, wenn die körpereigene Energie geschwächt ist.
Die Behandlung wird so sein, dass a) die schmerzhaften Punkte im Gesicht sediert werden.
b) und der Dickdarm Meridian (Yang Ming) der Hand auf der Gegenseite tonisiert (angeregt) wird, da ja die Körperenergie (genauer gesagt, die essentielle Energie) für die erkrankte Seite von der Gegenseite herkommt.
Diese Technik ist korrekt, aber ungenügend, weil die Energieversorgung vom Dickdarm nicht berücksichtigt wurde. Der Dickdarmmeridian erhält seine Energie aus dem Lungen-Meridian,
also müssen wir die Energie der Lunge über die Querverbindung (Transversale Lo-Gefäße) durch Stechen des Absorptionspunktes (Yuan 4. antiker Punkt) und des Lo-Punktes der Lunge (Lu 7.) überleiten. Nicht nur die Energiezirkulation
des Dickdarms und des Magens muss hergestellt sein, sondern sie muss zum nächsten Meridian, den Milzmeridian des Fußes (Fuß Tai Yin), geleitet werden. Dies erreichen wir durch Stechen des Yingpunktes des Magens (Magen 44, 2.
antiker Punkt). Damit erreichen wir, dass die große Energiezirkulation des Körpers wiederhergestellt wird.
B. Die streng lokalisierte Neuralgie.
Gesichtsneuralgien anderen Ursprungs können aber auch im Wangenbereich auftreten, z.B. die streng lokalisierte Neuralgie. Hierbei werden die aggressiven kosmischen Energien zum gemeinsamen Reunionspunkt (Magen 2) über die 3 Nebenmeridiane der Blase, Gallenblase und des Magens, die sogenannten tendinomuskulären Meridiane geleitet. (Abb.)
Diese Art der Neuralgie ist manchmal von Spasmen der Gesichtmuskulatur begleitet. So müssen dann auch die entsprechenden Hauptmeridiane tonisiert werden,
zugleich die Sedation der Schmerz-Punkte. Um die pathogene Energie in Richtung Fuß zu lenken, muss der entsprechende Tsing Punkt (1ter antiker Punkt) gestochen werden.
C. Die Gesichtsneuralgie unterhalb des Auges. Diese Art der Neuralgie mit charakteristischer Ausstrahlung in Richtung Stirn und Nacken wird durch pathogene Energie, die über die
sogenannten Wundermeridiane eingedrungen ist, verursacht. Diese Wundermeridiane haben keinen eigenen Meridian, sie benutzen stattdessen Teilstücke anderer Yang Meridiane für ihre Aktivität, wie ich bereits bei der Anatomie erwähnte.
Yang Keo Mai beginnt am äußeren Knöchel des Fußes, am Punkt (Abb.) Chen Mai (Blase 62) und erreicht das Gesicht an den Punkten Magen 1,2,3,4 und
Blase 1 (=Tsing Ming), um am Nacken, am 20. Gallenblasenpunkt, zu enden. Der Yang Keo Mai setzt sich aus Teilabschnitten von Blase, Magen, Gallenblase zusammen.
D. Die intermittierende Gesichtsneuralgie.
Diese Neuralgie in der Yang Ming Zone ist charakteristisch für Schmerzen, die durch das Sondergefäßpaar Magen und Milz
bedingt sind. Dieses Sondermeridianpaar erreicht, von unten herkommend, das Abdomen, um zuerst den Magen und dann die Milz zu durchfließen und taucht am Hals wieder auf, fließt um die Mundhöhle herum, weiter am Nasenrand entlang
bis zur Stirn, um schließlich am inneren Augenwinkel, am Punkt Blase 1. Tsing Ming (
) zu enden.
Diese Neuralgie ist – wie gesagt – intermittierend und
lokalisierbar auf der inneren Peripherie der Yang Ming Zone mit Ausstrahlung zur Stirn, oft bis zum Punkt Blase 5, der während der Krise besonders druckschmerzhaft ist. Als Begleiterscheinungen können Zahnschmerzen mit
Kältegefühl an den Lippen, Sehstörungen und manchmal auch Lumbalgien (Milz-Sondermeridian) auftreten. In der Regel wird hier die Technik der Kontraakupunktur
(Abb.) angewendet, d.h. der Tsing Punkt (1. antiker Punkt) von Magen und Milz, wird auf der gesunden Seite gestochen.
Wege zur Diagnose in der chinesischen Medizin.
Die Diagnose in der chinesischen Medizin wird gestellt
1. durch das genaue Ansehen des Patienten 2. durch das Abhören auf Körpergeräusche 3. durch die Befragung des Patienten 4. vor allem durch die Pulsuntersuchungen
Die Diagnose durch das Ansehen des Patienten gilt allgemein der Feststellung von Form, Farbe und Bewegung des Körpers, der In-Augen-Scheinnahme, besonders des
Gesichtes und der Zunge. Das Ansehen des Patienten gibt also Aufschluss über den allgemeinen Energiezustand des Menschen, der sich in der Körperhaltung, dem Glanz der Augen, dem Zustand des Muskeltonus, der Haut und Schleimhäute
zeigt. Bei dem Ansehen des Patienten versucht der Arzt, alles am Patienten sichtbare in die 5 entsprechenden Wandlungsphasen einzuordnen.
Zum Abhören gehört nicht nur das Abhören der Körpergeräusche, sondern auch die Beurteilung der Stimme, Sprache und des Atems dazu.
Bei der Diagnose werden stets die Befunde nach 8 Kriterien beurteilt: (Abb.)
1. ob die Symptome Yin und Yang sind 2. ob sich die Krankheit in der Tiefe oder an der Oberfläche befindet 3. ob die Symptome „Kälte“ oder „Wärme“ bzw. „Hitze“ darstellen 4. ob die Symptome Leere- oder Füllezeichen darstellen.
Erst danach runden chinesische Mediziner ihre vielfältigen Informationen mit einer Pulsdiagnose ab, die in der östlichen Hemisphäre seit Jahrtausenden praktiziert wird.
PULSDIAGNOSE
Dabei ertasten sie nicht einen Puls, sondern zwölf
Pulse, und zwar an beiden inneren Handgelenken, entweder mit drei Fingern oder einem elektronischen Pulsmesser (EPG), der ähnlich wie ein EKG die Impluse elektronisch aufzeichnet und damit für spätere Vergleiche registriert. Das
macht es leichter bei späteren Sitzungen, den Puls als Maßstab für die Wirksamkeit einer Therapie heranzuziehen.
Für chinesische Ärzte ist ein Puls mehr als der reine Herzschlag, den westliche Mediziner dadurch erfahren, dass der Puls an einer Stelle des Handgelenks kontrolliert wird. Sie können an 3 Stellen des Unterarms rechts und links zwölf verschiedene Pulse ablesen und feststellen, in welchem inneren Organ Energie-Fülle oder –Erschöpfung besteht. Sie erkennen Spannungen, Vibrationen, Hektik oder Verlangsamung und vieles mehr. Den Pulsen kommt eine besondere Schlüsselrolle zu, da sie nicht manipulierbar sind, im Gegensatz zur subjektiven Beschreibung von Beschwerden. Bei Pulsbefunden, die durch Aufzeichnung durch elektronische Pulsmesser erzielt werden, entfällt sogar das subjektive Quentchen, das der Arzt beim Abtasten einbringen könnte.
In einem gesunden Menschen sind alle zwölf Pulse gleich stark und kraftvoll, das bedeutet, alle inneren Organe arbeiten harmonisch miteinander. Ist dagegen ein Puls flach, angenommen die Leber zeigt kaum Energie, so kann nach dem Destruktionsgesetz der Puls der Erde (Milz/Pankreas) ein reges, spitzes Auf und Ab, also eine übersteigerte Reaktion, zeigen.
Die Pulsqualitäten geben uns also Hinweise auf eine gestörte Wandlungsphase im Körper, z.B. bei einem Patienten, der unter nervösen Spannungen steht oder unter Schmerzen leidet, wird ein
gespannter Puls zu tasten sein. Dieser Puls ist Ausdruck der Wandlungsphase „Holz“ (Leber). Schneller und glatter Puls ist Ausdruck des Elements „Feuer“. Er ist zu tasten bei übermäßiger sportlicher Tätigkeit, bei
Temperaturerhöhung durch Infektion, aber auch bei Herzrhythmusstörung. Bei übermäßiger Kälteeinwirkung oder verminderter Energie ist der Puls flacher und langsamer und manchmal kaum zu tasten.
Die Wandlungsphase „Kälte“ ist also im Körper vermehrt.
Im Fall von Blutverlust lässt sich ein Puls tasten, der Unregelmäßigkeiten aufweist: man nennt ihn den
rauen Puls. Dieser Puls ist Ausdruck der vermehrten Wandlungsphase „Metall“.
So unterscheiden wir 26 bis 28 verschiedenen Pulsqualitäten, auf die wir an dieser Stelle nicht eingehen möchten.
Die Pulse zeigen auch Emotionen auf, um ein paar Beispiele zu nennen:
- Angst und Spannung erhöht die Pulswellengipfel. Menschen, die Schmerzen haben, neiden zu Verkrampfungen und Spannungen.
- Zorn, auch wenn er unterdrückt wird, äußert er sich durch vermehrtes Vibrato und intensivere Spannung im Puls. Ein besonders wütender Mensch zittert und sein Körper vibriert sichtlich. Die chinesischen Ärzte unterscheiden bis zu 28 Pulsqualitäten, die sie zur Diagnose heranziehen.
Ein Energie-Ungleichgewicht, das sich schon frühzeitig an den Pulsformen ablesen lässt, muss sich noch nicht unbedingt als Krankheit äußern. Es ist zunächst eine Störung der inneren Harmonie. Doch wird ein chinesischer Arzt bereits in diesem Stadium versuchen, das innere Energie-Gleichgewicht wieder herzustellen, denn für ihn steht die Erhaltung der Gesundheit an erster Stelle.
Der wichtigste Unterschied zur westlichen Medizin besteht darin, dass chinesische Ärzte ausschließlich Störungen behandeln – und mithin auch diagnostizieren, westliche Ärzte hingegen die Auswirkungen von Störungen, die Krankheit selbst.
Bei der Therapie bleibt als höchstes Ziel die Erhaltung oder Wiederherstellung der
Gleichgewichtslage der 5 Wandlungsphasen im Körper. Also mangelhafte Energie muss ergänzt werden, und die überschüssige Energie muss beseitigt werden.
Dies kann über die Akupunktur erzielt werden, aber auch durch Heilpflanzenanwendung. |